Ausbruch der Laki-Krater 1783 und die Folgen

Aus Emden-Historisch

Am Pfingstsonntag, dem 8. Juni 1783, öffneten sich die Laki-Krater auf Island auf einer Länge von mehr als 20 Kilometern. Insgesamt gab es mehr als 130 Krater. Die Eruption dauerte mit kurzen Unterbrechungen bis Anfang 1784 und es wurden dabei ungeheure Mengen Lava und Asche ausgestoßen sowie giftige Gase freigesetzt.

Die Folge waren Hungersnöte und Klimaveränderungen, die sich auch in Deutschland zeigten. Trockener Nebel und Schwefelgestank prägten den Sommer 1783. Der Winter 1783/84 brachte extreme Minustemperaturen, so dass die Flüsse und Seen meterdick zufroren.

Im Februar/März 1784 führten plötzlich einsetzendes Tauwetter und Regen zu einem Jahrtausendhochwasser. Eisschollen behinderten das Ablaufen des Wassers und zerstörten Brücken und Deiche.

Nach dem derzeitigen Stand der verfügbaren Quellen lassen sich für Emden jedoch keine außergewöhnlichen Auswirkungen des Eishochwassers der Ems im Februar/März 1784 nachweisen. Die überlieferten Hinweise deuten vielmehr auf übliche wintertypische Verkehrs- und Entwässerungsprobleme sowie Behinderungen der Schifffahrt hin.

Tileman Dothias Wiarda beschrieb 1798 dieses Ereignis in seinem Geschichtswerk "Ostfriesischen Geschichte" und versuchte, eine zeitgenössische Erklärung dafür zu finden:

Unter allen Jahren, die durch Miswachs den Landmann niedergebeuget haben, zeichnete sich vorzüglich dieses Jahr 1783 aus. Der Frühling fieng mit einer langen dürren Witterung an, die dem Wachsthum des Grases und des Korns sehr hinderlich war. Zwar schienen sich im May nach einem milden Regen die Früchte zu erholen; allein von dem Anfang des Junius bis zur Zeit der Aerndte stellte sich wieder eine lange anhaltende, gewöhnlich mit einer sehr schwülen Luft begleitete durre Witterung ein. Die Luft war fast immerwährend im Junius bis an das Ende des Julius mit einem solchen dicken und trockenen Nebel angefüllt, daß man mit unbeleidigten bloßen Augen in die glanzlose Sonne sehen konnte. Dieser ungewöhnliche Nebel, von den Natur-Forschern Höhenrauch oder Heerrauch, auch Sonnenrauch genannt, deckte ganz Europa und die entfernten Meere (1). Die außerordentliche Dürre war dem Lande weit nachtheiliger, wie die vorjährige nasse Witterung. Das Vieh fand in den versengten und verbrannten Wiesen weder Weide noch Wasser und gab keine Milch. Heu war so wenig gewonnen, daß der Landmann sein Vieh im Winter nicht durchfüttern konnte. Daher sahen sich viele in die traurige Nothwendigkeit versetzt, ihr Vieh für den halben Werth zu verkaufen. Der diesjährige Miswachs erstreckte sich über alles Getraide ohne Unterschied. Bohnen und Erbsen waren gar nicht gerathen. Raapsaat war so wenig gedroschen, daß man auswärts Saat kommen lassen mußte, um die einheimischen Oehl-Mühlen in Gang zu halten. Flachs war fast gar nicht gezogen, und daher waren einige tausend Garnspinner Brodlos. Ein so strenger und lang anhaltender Winter, daß die Emse bis an den Dollart zufror und erst in dem Ausgang März 1784 weiches Wetter eintrat, erschwerte das Schicksal mancher unbemittelten Familien.
(1) Die Schriften, welche dieser trockene ungewöhnliche Nebel veranlaßet hat, sind in Gehlers physikalischem Wörterbuche III. 328 verzeichnet. Der Cammerrath Wiedeburg sucht in seiner Abhandlung über die Erdbeben und den allgemeinen Nebel von 1783 mit vieler Wahrscheinlichkeit zu behaupten, daß, da kurz vor Erscheinung des Nebels und während desselben ein Erdbeben die bekannten fürchterlichen Verwüstungen in Calabrien und Sicilien angerichtet hat, dieser Nebel in Verbindung mit dem Erdbeben gestanden habe. Während dieses dürren Nebels ereignete sich hier, ich weiß nicht ob auch in andern Provinzen, eine ganz seltene Natur-Erscheinung. Kurz vor dem Mittag am 24. Jun. verdickte sich die dunkle Luft mit einmal, durch einen dunklen röthlichen Nebel, welcher aus schwefelichen, brennbaren und electrischen aus der Erde aufgezogenen Theilen zu bestehen schien. Die Blätter auf den Bäumen wurden mit einer glänzenden Feuchtigkeit überzogen, schrumpften bald nachher zusammen, und schienen verbrannt zu seyn. Das Getraide, besonders die Gerste, auch Erbsen, Bohnen, Garten-Früchte und das Graß litten sehr. Diesen mit einmal gefallenen schädlichen Thau hatte man zwar überall in dem Lande gespüret, doch scheint sich dieser Nebel strichweise gezogen zu haben, weil einige Bäume ungemein mitgenommen, andre nebenstehende Bäume und zarte Pflanzen ganz verschonet geblieben waren. Es war also dieser seltsame Thau kein eigentlicher Mehlthau oder Sonnen-Regen, sondern eine besondere Art von Honigthau.[1]

Das zitierte "Physikalische Wörterbuch" von GEHLER definiert:

Von dieser Art sind diejenigen Nebel, welche wenig oder gar nicht aufs Hygrometer wirken, und insgemein trockne Nebel (brouillards secs), Höhenrauch, Heiderauch, Sonnenrauch genannt werden. Zu diesen gehörte der Nebel im Sommer 1783, der sich über ganz Europa, sogar bis in einige entfernte Meere, und bis auf eine ziemliche Tiefe unter die Erde erstreckte, auch vom Junius bis in die Mitte des Augusts ununterbrochen anhielt. Die Sonne erschien dadurch ganz roth; die Luft war fast immer schwül und drückend, und zeigte sich durch das Eudiometer stark phlogistisirt. Dieses merkwürdige Phänomen hat viele Schriften veranlasset […] Einige haben diesen Höhenrauch einer plötzlich auf nasse Witterung gefolgten Wärme zugeschrieben; Andere haben ihn mit dem im Febr. 1783 vorhergegangnen fürchterlichen Erdbeben in Calabrien und andern Ländern in Verbindung zu bringen gesucht (s. Vom Erdbeben auf Island im J. 1783. durch S. M. Holm, aus dem Dän. Copenh. 1784. 8. S. 66 u. f.). Herr de la Lande (Magazin für das Neuste aus d. Physik. II. B. 2. St. S. 98.) fand in den meteorologischen Registern der pariser Akademie vom Julius 1764 ein ähnliches Phänomen aufgezeichnet und vermuthet daher, daß es mit der auf dem Mondcykel beruhenden Witterungsperiode von 19 Jahren (s. Meteorologie) zusammenhange.[2]

Siehe auch

  1. WIARDA, Tileman Dothias: Ostfriesische Geschichte Bd. 9, S. 188-189.
  2. GEHLER, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre Bd. 3. Leipzig, 1798, S. 328-329. In: Deutsches Textarchiv (zuletzt abgerufen am 18.06.2026).