Große Deichstraße 1
Aus Emden-Historisch
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| Basisdaten |
|---|
| Altstadt |
| Kluft 1 |
| Compagnie 3, Nr. 44 |
| Wyk 1 (3. Bezirk) |
| Katasterkarte 1875 |
| Flurkarte 20 |
| Parzelle 113 |
| Grundfläche 138 m² |
Anmerkung
Alle nachfolgenden Angaben beziehen sich auf das Gebäude vor dem Abbruch!
- Das ab 1875 als Packhaus genutzte Gebäude wurde 1927 abgebrochen.
- Am Haus festgestellte Jahreszahl 1558.
- Hausname Granatapfel[1].
Illustrationen
-
Querschnitt u. Ansicht
(Siebern, S. 174) -
Grundriss
(Siebern, S. 174) -
Kamin 1. OG
(Siebern, S. 185) -
Feuerwand des Kamins
(Siebern, S. 184)
Eigentümer und Bewohner
[] | []
| Kopfschatzung 1757[2] |
|---|
|
| Brandversicherungskataster 1754[4], 1768-1936[5] | ||||
|---|---|---|---|---|
| Datum | Eigentümer | Nachfolger | Art | Bd./Bild |
| 1754 | Heere Jacobs | Ein Haus | ||
| 1808-1819 | Christian Harms | Huis | A45 | |
| 1819-1830 | Christian Harms | Haus | A56 | |
| 1830-1841 | Christian Harms | - Heinrich Bödeker - Gerrit de Ruyter |
Haus | A56 |
| 1841-1852 | Gerrit de Ruyter | Haus | A54 | |
| 1852-1863 | Gerrit de Ruyter | Haus | A52 | |
| 1863-1872 | Gerrit de Ruyter | Haus | A52 | |
| 1872-1877 | G. de Ruyter | Haus, jetzt Packhaus | A86 | |
| 1877-1882 | G. de Ruyter | Packhaus | A86 | |
| 1882-1887 | G. de Ruyter | Packhaus | A86 | |
| 1887-1892 | G. de Ruyter | Packhaus | A79 | |
| 1890-1895 | G. de Ruyter | Packhaus | A80 | |
| 1895-1900 | G. de Ruyter | Packhaus | A90 | |
| 1900-1905 | G. de Ruyter | 1903: Johann und Anton de Ruyter | Packhaus | A111 |
| 1905-1910 | Johann und Anton de Ruyter | Packhaus | A173 | |
| 1914-1920 | Firma Gossels & Karseboom | Packhaus | B227 | |
| 1918-1936 | (Eintrag gestrichen) | B130 | ||
Miszellen
- Besser zu erkennen ist die ursprüngliche Grundrißanordnung bei dem Hause Große Deichstraße 1, das einen Inschriftstein aus dem Jahre 1558 aufweist. Es wird jetzt als Speicher benutzt. Das Kellergeschoß ist mit einem Kamin ausgestattet, hat einen direkten Eingang von der Straße und daneben ein großes dreiteiliges Fenster. Es wird als Küche gedient haben, wobei zu berücksichtigen ist, daß die Straße jetzt bedeutend höher liegt als zur Erbauungszeit des Hauses. Nach dem Hofe hin, in einer Ecke, ist die hölzerne Wendeltreppe angeordnet, die durch alle Geschosse bis zum Dachboden führt.
Das Erdgeschoß, mit einem Kamin an der einen Seitenwand, war ursprünglich ebenfalls ungeteilt. Erst im 18. Jahrhundert ist links vom Eingang durch getäfelte Holzwände ein Zimmer abgetrennt und mit einem Kamin versehen, aber hernach, als das Haus Speicher wurde, wieder entfernt.
Im ersten Obergeschoß, das ebenfalls wohl später durch Holzwände aufgeteilt ist, befindet sich neben der Treppe nach hinten eine kleine Kammer. Nach vorne liegt ein großes Zimmer mit altem Fußbodenbelag aus grünen und braungelben glasierten Tonplatten. Der Kamin ist erst im 18. Jahrhundert zusammen mit dem Erkerausbau geschaffen.
Das zweite Obergeschoß und das Dachgeschoß dienten als Lagerraum. Das Dachgeschoß hat einen Drempel und deshalb der liegende Dachstuhl geknickte Stuhlsäulen, die aus krummgewachsenen Hölzern geschnitten sind. Diese Art der Ausführung trifft man in fast allen alten Wohnhäusern Emdens; sie scheint aus dem Bestreben hervorgegangen zu sein, den Boden für Lagerzwecke voll ausnutzen zu können. Dasselbe Pfettendachwerk haben wir schon bei den Kirchen, dem Rathaus, der Klunderburg und anderen öffentlichen Gebäuden kennengelernt. Es ist eine Abart des französischen Pfettendaches, wie es sich seit dem 15. Jahrhundert und wohl auch schon früher in den Niederlanden unter der Einwirkung des deutschen Kehlbalkendaches mit stehendem Stuhl ausgebildet hatte. Im Hausbau ist es mit Gebälken ausgestattet, und so der Dachraum wie der des deutschen Hauses und anders wie in Frankreich in eine Anzahl übereinander angeordneter Speicher zerlegt: Die Balken liegen parallel der Schmalseite und dienen, meist jeder vierte, zugleich als Binderbalken.[6] - Im Erdgeschoß des Hauses Große Deichstraße 1 befand sich ein Kamin aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, dessen leicht einwärts geschwungene Feuerwand ganz mit Fliesen bekleidet war.[7]
- Das schon öfter erwähnte Haus ist außen überputzt, drei Geschosse hoch und vier Fenster breit. Gurtgesimse: gotische Sima mit Wasserschlag: Fenster rechteckig, einst durch Pfosten geteilt und mit flachbogiger Entlastung. Schöne Zieranker. Der später hinzugefügte Erkervorbau im ersten Obergeschoß trägt auf einem wieder eingemauerten Stein die Inschrift: „WANNER DIT HVS BOVWET GODT IS MESCHEN NIDT MAN SPOT ANNO 1558“. Erker kommen sonst an alten Emder Häusern nicht vor.[8]
- 1912: Verkauf des Hauses an der Großen Deichstraße 1-3 an die Fa. Gossels & Karseboom,
1926/27: Umbau und Erweiterung der von der Fa. Peter Eilts erworbenen Gebäude Große Deichstraße 1-5,
1926: Protest des Landeskonservators gegen den Abbruch der alten Giebel.[9] - 1927: Planzeichnungen zu einem Kaufhaus des Peter Eilts im Bereich der Großen Straße 4, Am Delft 27-28 und der Großen Deichstraße 1-5.[10]
Siehe auch
- ↑ FELDMANN, Thomas/HARMS, Thorsten (†): Emder Häuserbuch, unveröffentlicht.
- ↑ HINRICHS, Wiard (2010): Kopfschatzung 1757, Bd. 1, Aurich.
- ↑ Für diesen Eintrag mussten die Angaben aus der Abschrift der "Kopfschatzung 1757" korrigiert werden. Die Auflistung ist dort offensichtlich um eine Zeile versetzt wiedergegeben. Da nur Kopien des "Brandversicherungskatasters von 1754" als verlässliche Quelle zur Verfügung stehen, wurden die Eintragungen für die Kopfschatzung entsprechend angepasst.
- ↑ Catastrum 1754 der Feuer-Societät die Stadt Embden betreffend, StadtA EMD II. 1366.
- ↑ Brandversicherungskataster der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse von 1768–1937.
- ↑ SIEBERN, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, Teil 6., Reg.-Bez. Aurich: H. 1/2: Stadt Emden, Hannover 1927, S. 173-175.
- ↑ Ebd. S. 186.
- ↑ Ebd. S. 196.
- ↑ StadtA EMD BoA 2051.
- ↑ StadtA EMD BoA 3125.

