Pelzerstraße 11
Pelzerstraße 11 |
|---|
Basisdaten |
| Altstadt |
| Kluft 1 |
| Compagnie 2, Nr. 2 |
| Wyk 1 |
Kataster 1875 |
| Flurkarte 20 |
| Parzelle 472 |
| Grundfläche 125 m² |
Flandrischer Giebel: Das um 1570 errichtete, unlängst [= um 1927] unter Wiederverwendung der Werksteine durch einen Neubau ersetzte Haus war schon Ende des 17. Jahrhunderts im hohen Erdgeschoß umgestaltet worden, im oberen Teil aber fast unberührt geblieben. Die Horizontalgesimse bestanden aus einer vortretenden Backsteinschicht und einem schlichten Sandsteinband mit oberem gotisierenden Simagesims. Die Staffeln wurden eingefaßt von wenig vortretenden Vorlagen, die wie die Wandfläche mit Sandsteinschichten durchsetzt und mit profiliertem Kopfstück ausgestattet waren. Daß sie einst Aufsätze in Form von Kugeln oder Obelisken getragen haben, ist anzunehmen. Die Zwickel der Abtreppung waren nur in der äußeren, in Schwungstücken auslaufenden Begrenzung aus Werkstein hergestellt, und wie diese eine bewegte Linienführung zeigte, war auch die obere Bekrönung von feiner Formgebung.[1]
Das Haus Pelzerstraße 11, in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts erbaut, wurde im 17. Jahrhundert im Erdgeschoss umgestaltet. Dabei scheint auch die ursprüngliche Lage der Küche aufgegeben zu sei, denn im vorderen Teil des Kellers finden sich grüne und braungelbe, glasierte Tonfliesen an den Wänden, und neben in Zickzackmuster verlegten Ziegelsteinen auch am Fußboden. Hier sind die Wasserbacke
und der Brunnen (Pütte). Die Treppe, welche von der Pelzerstraße hinabführt, liegt in einem mit Luken verschlossenem Kellerhals.
Die jetzige Küche mit Schlafbutze und Kamin ist im hinteren Teil des Kellers untergebracht. Daneben befindet sich ein schmaler Gang mit der Treppe zum Erdgeschoss und einem Ausgang nach der Emsmauerstraße, die nur wenig höher liegt als der Kellerfußboden, da das Gebäude von der Pelzerstraße nach hier fällt. Im Erdgeschoss befand sich nach der Pelzerstraße hin eine geräumige hohe Diele, von der das seitliche Zimmer erst später abgetrennt ist. Das hintere Zimmer in gleicher Höhe, ist aber so niedrig gehalten, dass ein Zwischengeschoss eingefügt werden kann.
Eine breite Treppe führt zu dem galerieartig ausgebildeten Podest des Zwischengeschosses. Auf einer Wendeltreppe gelangt man weiter in das erste Obergeschoss, das ebenso wie das zweite Obergeschoss und der Dachboden ohne Teilung geblieben ist. Beim Umbau im Jahre 1928 wurde der gesamte Eingang mit den Sandsteinornamenten von der Mitte nach links verlegt, wo er sich noch heute befindet.
Das Haus gehörte dem Ehepaar Hermann Fritzen (* 21.07.1875 Emden, gest. 1933) oo Nanny Houwine Swart (* 09.05.1880 Emden, gest. 1924), bevor es nach dem Ersten Weltkrieg vom Tischlermeister Amand Tölge gekauft wurde. Die Wohnungen des Hauses waren vermietet an die Familien des Arbeiters Jakob Appel, des Schlossers Johann de Boer und die Rentnerin Frl. D. Metger.
Heute wird das Haus Pelzerstrasse 11 als Veranstaltungsort und Ausstellungsraum des Ostfriesischen Landesmuseums genutzt, nachdem es in den 1980er Jahren umfassend saniert worden ist.[2]
Eigentümer und Bewohner
Kopfschatzung 1757[3]
- Ebbo Wilhelm zur Mühlen, Administrator; 1 Knecht
Brandversicherungskataster[4]
| Datum | Eigentümer | Nachfolger | Art | Bd./Bild |
|---|---|---|---|---|
| 1808-1819 | Secret. de Pottere | Huis | A20 | |
| 1819-1830 | Sekretär de Pottere | Haus | A26 | |
| 1830-1841 | Sekretair de Pottere | Prediger Metger | Haus | A26 |
| 1841-1852 | Prediger Metger | Haus | A26 | |
| 1852-1863 | Prediger Metger | Haus | A24 | |
| 1863-1872 | Prediger Metger Wittwe Erben | Haus | A24 | |
| 1872-1877 | Metger Wittwe Erben | Haus | A47 | |
| 1877-1882 | Metger Wittwe Erben | Haus | A47 | |
| 1882-1887 | Metger Wittwe Erben | 1884: Tjabberdina und Maria Metger | Haus | A47 |
| 1887-1892 | Tjabberdina und Maria Metger | Haus | A47 | |
| 1890-1895 | Tjabberdina und Maria Metger | Haus | A47 | |
| 1895-1900 | Tjabberdina und Maria Metger | Haus | A49 | |
| 1900-1905 | Tjabberdina und Maria Metger | 1903: Tjabberdina Metger | Wohnhaus | A71 |
| 1905-1910 | Tjabberdina Metger | Wohnhaus | A129 | |
| 1910-1915 | Tjabberdina Metger | 1911: Hermann Fritzen | Wohnhaus | A149 |
| 1914-1920 | Hermann Fritzen | Wohnhaus | B80 | |
| 1918-1936 | Hermann Fritzen | 1923: Amand Tölge | Wohnhaus | B46 |
Adressbuch 1877[5]
- Metger, Tjaberdina
- Metger, Marie W. A.
Siehe auch
Galerie
-
Zeichnung 1927
-
Grundriss und Querschnitt
-
Fam. Appel u. de Boer
-
Pelzerstr. 11 u. 12
-
2022
- ↑ SIEBERN, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 6., Regierungsbezirk Aurich: H. 1 u. 2, Stadt Emden, Hannover 1927, S. 228-229.
- ↑ HARMS, Thorsten et al. (o. J.): Entwurf Bildband "Mohaupt Band 1" (unveröffentlicht).
- ↑ HINRICHS, Wiard (2010): Kopfschatzung 1757, Aurich, Bd. 1.
- ↑ Brandversicherungskataster der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse von 1768–1937.
- ↑ FÜRBRINGER, Leo (1877): Adreß- und Stadt-Handbuch der Stadt Emden 1877-1878, Emden, S. 46-76.
