Der Valckhof

Aus Emden-Historisch
Auszug aus Stadtplan Braun-Hogenberg 1575
Auszug aus Stadtplan Braun-Hogenberg 1575

Der Valckhof, auch in der Schreibweise Falkhof oder Valkhof in der Literatur zu finden, befand sich in der Neutorstraße an der Ecke zur Kleine Osterstraße. Die Hauptfassade mit einer Länge von um die sieben Meter stand zur Neutorstraße. 1912 schrieb der Regierungsbaumeister Karl Mählmann in seiner Dissertation, dass nur noch der Südgiebel an der Kleinen Osterstraße erhalten geblieben war. Die Häuser 17 bis 19 hatten den Platz des Valckhofs eingenommen.

Erbauer dieses Hauses ist nach Mittelung von Professor Dr. Ritter in Emden wahrscheinlich Edzard Valk, Stallmeister Kaiser Karls V. gewesen. Seine Familie war besonders in Marienwehr bei Emden ansässig. In seiner Stellung lebte er naturgemäß viel am Hofe des Kaisers und seiner Schwester Maria von Burgund und es liegt die Vermutung nahe, daß er für die Erbauung des Valkhofs einen Architekten von dort her mitbrachte. [...] Die Haupfassade wies eine stattliche Reihe von 8 Fenstern auf, zwischen deren Blendbögen die oben genannten und in ihrer Ausbildung wechselnden reichen Pilaster saßen. […] Ob die Pilaster immer in diesen beiden Formen wechselten, oder ob noch andere dabei vorkamen, ließ sich nicht mehr feststellen. [...] Auf der Zeichnung des Giebels ist ein Treppenturm wieder ergänzt, der zwischen dem kürzlich abgebrochenen Anbau und dem Hauptgebäude gesessen hat […].

1515—1520 heißt der damals möglicherweise noch unbebaute Platz (Garten) nach dem Larrelter Pastor und Ratgeber des Grafen Edzard I. „Mester Dirk Valken hof". Edzar Valck, wahrscheinlich sein Neffe, dem Kaiser Karl V. zu Brüssel am 20. September 1521 ein Wappen verlieh, erscheint um 1530—1540 als Besitzer des Valckhofes. 1548 gehört der Valckhof seinem Sohne Johann Valck in Glimmen bei Groningen. Fia Valck, seine Tochter, war die Gattin des Gerhard van der Marck. Beide liegen in der Großen Kirche am Westende des südlichen Längsganges bei der Orgel begraben. Gerhard van der Marck starb nach der Grabschrift, 50 Jahre alt, Pfingsten 1595, und Fia Valck schon im Jahre 1590. Ihre Erben, die Kinder ihres Vetters Tammo Valck zu Marienwehr, verkauften 1597 den Valckhof für 15600 Gulden an den Emder Ratsherrn Reiner Nitters. Über die weiteren Schicksale des Hauses ist nichts bekannt.[4]

Heinrich Siebern bedauerte, dass 1926 von dem "architektonisch bedeutenden Gebäude" nur noch der Giebel zur Kleinen Osterstraße geblieben war. Auch ein Teil der ursprünglichen Längsseite war bis zum Jahr 1909 anstelle des Hauses Neutorstraße 17 noch erhalten.

Die Gesimse, welche über dem Erdgeschoß und unter dem Giebel angeordnet sind, der Giebel selbst und die Nischen, in denen die Fenster liegen, zeigen noch starken gotischen Einfluß. Die paßförmig geschwungene Linie des Giebels, an den Vorsprüngen mit Köpfen oder Lilien besetzt, wird durch staffelförmige Ansätze unterbrochen, welche ursprünglich übereckgestellte vierkantige Fialen getragen haben. Die Nischen mit den malerischen und verschieden geformten Gardinenbogen werden von einem kräftigen Wulst umrahmt, der von zierlich gegliedertem Sockel aufsteigt und in halber Höhe wie im Kämpfer von schmalen, wulstförrnigen Gurtgesimsen gefaßt wird.[5]

Siehe auch

Emder Jahrbuch für historische Landeskunde Ostfrieslands, Bd. 14-1902, S. 413.

  1. MÄHLMANN, Karl (1913): Das Wohnhaus Alt-Emdens vom 15. bis 19. Jahrhundert, Bromberg, S. 13.
  2. MÄHLMANN, Karl (1913): Das Wohnhaus Alt-Emdens vom 15. bis 19. Jahrhundert, Bromberg, S. 13.
  3. MÄHLMANN, Karl (1913): Das Wohnhaus Alt-Emdens vom 15. bis 19. Jahrhundert, Bromberg, S. 12.
  4. MÄHLMANN, Karl (1913): Das Wohnhaus Alt-Emdens vom 15. bis 19. Jahrhundert, Bromberg, S. 29.
  5. SIEBERN, Heinrich (1927): Die Kunstdenkmäler der Stadt Emden (Nachdruck 1975), S. 150-153.