Hafentor und Hafeneinfahrt

Aus Emden-Historisch

Das 1635 von Martin Faber entworfene Hafentor hatte seinen Platz zwischen dem 1547 errichteten Blauen Turm, einem Festungsturm mit Schieferdach, und dem halbrunden 1583 errichtete Zollhaus an der Einfahrt zum Hafen am Ratsdelft.

Nach passieren des Hafentors erreichte man aus der Stadt kommend über eine Zugbrücke die ins Wasser hinausragende Lange Brücke, an deren Ende ein Wachhaus stand. Hier hielten sich die Baumschließer, die die Hafeneinfahrt zu festgelegten Zeiten mit einem Baumstamm verschließen mussten, und die Wachmannschaft, die hier Tag und Nacht präsent zu sein hatte, auf.

Die Lange Brücke war 80 Meter lang und ca. 5 Meter breit. Sie lag auf 19 in den Grund gerammte Ständerpaaren und war mit Eichenbohlen belegt.[1] Wer eine der hier abfahrenden Fähren benutzen wollte, mußte ab 1670 für die Passage der Langen Brücke eigens eine Gebühr entrichten.[2]

Lange Brücke, Wachhaus, Zollhaus, Blauer Turm
Lange Brücke, Wachhaus, Zollhaus, Blauer Turm

Mitten auf der langen Brücke erblickt man ein sogen. Wandelhueske, einen bedeckten Gang, welcher am Eingang die Inschrift enthielt:
"Celare Nomen non decet nec Patriam. Item Arma in praefactos sumere jure licet" (zu deutsch: "Es geziehmt nicht, seinen Namen noch sein Vaterland zu verheimlichen. Ebenso gilt es mit Recht als erlaubt, gegen Unbeugsame die Waffe zu ergreifen").
Die Inschriften an den Seiten des Ganges lauteten einerseits:
"Quisquis secundo navigabit Numine is vel saligno navigabit vimine" (zu deutsch: "Wem die Gottheit günstig ist, der wird auch auf einem Weidenbaum zur See fahren können"),
auf der anderen Seite:
"Psalm 107. Celebrant apud Jehovam Benignitatem ejus, descendunt in Mare navibus" (zu deutsch: "Sie preisen bei Jehova seine Güte, sie steigen ins Meer hinab auf Schiffen").
[3]

Das östlich vom Hafentor stehende Zollhaus hatte im Giebel die Wappen von Ostfriesland, Emden und Schweden, neben einer Tafel mit folgendem mahnenden Hinweis:
"Ein jeder Schiffer laete syn goederen in de Tolkammer anteykenen, ehr se de reppet: und betaele syne Tollen und Accys ehr se uts de Bohm vahre, by verlues des goedes und ein arbitrale Straffe. Anno 1583 den 14. Augusti."
Ein Schild vor dem Haus informierte über die 'Geschäftszeiten': "Hier sal de Tollen betaelt werden, Voer middach, von acht tot tein; naemiddach, van twe tot vier uhren".[4]

Das Hafentor begrüßte seine Besucher mit der Inschrift:
"Et Pons est Embdae, et Portus, et Aura Deus!" (Für Emden ist Gott Brücke, Hafen und Seewind). Und auf der anderen Seite des Tors: "Renovatum anno domini MDCCXIX" (Erneuert im Jahr des Herrn 1719), darüber die Jahreszahl 1635.

Für Emden ist Gott Brücke, Hafen und Seewind
Für Emden ist Gott Brücke, Hafen und Seewind

1817 wurde die Lange Brücke entfernt und das Hafentor in den 1860er Jahren abgebaut. Ab 1897 stand es im Garten des Museums. Heute hat es seinen festen Platz am Ratsdelft als markante Sehenswürdigkeit.

Hafentor 2025
Hafentor 2025

Siehe auch

  1. Vgl. KAPPELHOFF, Bernd (1994): Geschichte der Stadt Emden von 1611 bis 1749. Emden als quasiautonome Stadtrepublik. In: Ostfriesland im Schutze des Deiches, Bd. XI, Leer, S. 5.
  2. Ebd. S. 333.
  3. FÜRBRINGER, Leo (1892): Die Stadt Emden in Gegenwart und Vergangenheit, Emden, S 16.
  4. SIEBERN, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 6., Regierungsbezirk Aurich: H. 1 u. 2, Stadt Emden, Hannover 1927, S. 259.

Seite überarbeitet, Stand 01.04.2026