Sargtischlerei-Rechnungen

Aus Emden-Historisch

Die Tischlerei des Gasthauses in Emden hatte über mehrere Jahrhunderte das Privileg, für die verstorbenen Emder Protestanten die Särge anfertigen zu dürfen. Davon ausgenommen waren nur die Mitglieder der Schiffszimmerergilde.

Seit wann dieses Privileg bestand, ist nicht mehr genau festzustellen. Der Magistrat der Stadt Emden war 1851 auf Anfrage der Meinung, dass es bereits seit 1623 existierte, die Direktion des Gasthauses favorisierten das Jahr 1630.

Die Überlieferung sieht den Anfang im Pestjahr 1665, in dem 5.518 Menschen starben und die Anfertigung der benötigten Särge zum Problem wurde. Da erbot sich das Gasthaus, die Särge sammt und sonders machen zu wollen, wenn ihm solches hinfort als Monopol bleiben solle. Dies wurde in der Zeit so großer Bedrängniß gerne zugestanden und - daher das Privilegium.[1]

Das Ende des Privilegs kam 1868 durch ein Preußisches Gesetz: Die noch bestehenden Gewerbeberechtigungen, daß heißt die mit dem Gewerbebetrieb verbundenen Berechtigungen, Anderen den Betrieb eines Gewerbes zu untersagen oder sie darin zu beschränken, werden hierdurch aufgehoben.[2]

Die Gasthaus-Direktion tat sich schwer, das lukrative Geschäft aufgeben zu müssen. Sie ersuchte zunächst um die gesetzlich zugesagten Entschädigung, was aber auf Ablehnung stieß. Nach Prüfung rechtlicher Schritte akzeptierte sie 1871 diese Entscheidung letztendlich doch.

In der Werkstatt, der Särgemacherei, befanden sich 1873 noch einige vierhundertjährige Balken und Bretter, die die Anzahl der jährlichen im Gasthause gemachten Särge verkünden. Diese Auflistung beginnt im Pestjahr 1665 mit 5.518 "Kisten" und endet mit 275 "Kisten" im Jahr 1868.

Beleg vom 17. Mai 1715

Die gelieferten Särge wurden mit dem Namen des Auftraggebers und seiner Wohnung (Straße) auf Zetteln notiert und aufbewahrt. Eine kleine Anzahl solcher Zettel ist bis heute erhalten und im Stadtarchiv Emden in vier Kartons aufbewahrt. Ein fleißiger Forscher hat vor geraumer Zeit die einzelnen Zettel abfotografiert, was den Umgang damit etwas erleichtert. Und auch im Archiv der Johannes a Lasco Bibliothek befinden sich Belege verschiedener Jahrgänge.

Ein Teil der Belege aus dem Stadtarchiv sind ausgewertet und in eine Excel-Datei eingetragen. Sie liegt der Administration dieser Website vor. Anfragen über das Kontaktformular.

Zusammenfassung

  • Die Belege der Sargtischlerei ab 1713 bis 1786 (mit großen Lücken!) sind im Stadtarchiv.
  • Die Belege der Sargtischlerei ab 1734 bis 1738 und 1757-1769 sind im Archiv der Johnnes a Lasco Bibliothek.
  • Die Beerdigungsregister der ev.-ref. Kirche beginnen erst ab 1765.
  • Die Beerdigungsregister der franz.-ref. Kirche beginnen erst ab 1811.
Übersicht der digitalisierten Belege
Im Jahr hergestellte Särge Belege Dateien
1713 419 381 51 Dateien
1715 453 334 42 Dateien
1718 444 123 20 Dateien
1720 377 5 Dateien
1721 333 33 Dateien
1722 245 35 Dateien
1723 304 9 7 Dateien
1724 320 7 2 Dateien
1726 447 95 14 Dateien
1727 1081 103 5 Dateien
1728 1078 877 50 Dateien
1729 860 69 4 Dateien
1730 682 184 16 Dateien
1731 771 610 45 Dateien
1735 455 32 5 Dateien
1736 511 83 10 Dateien
1740 422 75 10 Dateien
1741 370 43 Dateien
1742 380 6 Dateien
1743 392 13 Dateien
1747 334 7 Dateien
1748 436 61 Dateien
1749 358 2 Dateien
1754 266 19 Dateien
1763 333 4 Dateien
1764 240 8 Dateien
1776 280 35 Dateien
1777 277 84 Dateien
1778 255 83 Dateien
1779 407 89 Dateien
1780 330 91 Dateien
1781 330 91 Dateien
1782 326 88 Dateien
1783 281 84 Dateien
1784 259 84 Dateien
1785 284 92 Dateien
1786 215 64 Dateien


  1. Meier, Hermann (1873): Das Gasthaus und das Privilegium der "Särgemacherei". In: Ostfriesisches Monatsblatt 1873, Bd. 1, S. 480-487.
  2. Gesetz-Sammlung für die Königlichen Preußischen Staaten Nr. 21 (Art. 7035 vom 17. März 1868), S. 249. URL: https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10509577?page=282%2C283 (02.11.2024).