Am Delft 29

Aus Emden-Historisch
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Am Delft 29

Verlag W. Schwalbe (1911): Stadtplan Emden

Basisdaten

Altstadt
Kluft 1
Compagnie 3, Nr. 2 u. 3
Wyk 1

Kataster 1875

Flurkarte 20
Parzelle 112 u. 115
Grundfläche 131 m² u. 140 m²

Das Haus Am Delft 29 stand auf den Parzellen 112 und 115 in Comp. 3, Nr. 2 und 3, die einzeln bebaut waren. Das rechte Haus, Comp. 3, Nr. 2, ist bekannt als De drie Klaverbladen[1], das linke Haus, Comp. 3, Nr. 3, als De gouden Toelast[2].
Friedrich Wilhelm Storch, Ausmiener zu Greetsiel, kaufte am 08.09.1786 seiner verwitweten Mutter die beiden Häuser am Delft ab.[3] Er ist der Sohn von Otto Rabe Storch, bei dem der "Alte Fritz" 1751 logierte, und war verheiratet mit Sophia Hinderina van der Heyde.
Den Verkauf der Häuser Comp. 3, Nr. 2 u. 3 an Johann Hinrich Roslaub, "Stadts Musicum und Gastwirth", veröffentlichte das Wöchentliche Ostfriesische Anzeigen- und Nachrichtenblatt am 13.10.1794.
Johann Hinrich Roslaub starb am 19.12.1803 im Alter von 61 Jahren, betrauert von seiner Witwe, einer geborene Charpentier, und ihren drei Töchtern.[4]
Am 26.03.1805 verlobte sich Tochter Johanna Henriette Roslaub mit dem Arzt Dr. med. Gerhard Eyting.
Nach dem Tod der Witwe Roslaub Ende 1823 verkauften ihre Erben, vertreten durch Dr. Gerhard Eyting, am 09.12.1825 das Anwesen an den Weinhändler Gerrit de Ruyter, der den Häusern 1826 eine neue Fassade vorsetzte.[5]
Da Gerrit de Ruyter selbst keine Schankerlaubnis bekommen konnte, verpachtete er die Weinstube.

Die 1763 gegründete Emder Kaufmannsbörse hatte ab 1792 bei Wirt Roslaub ihren Börsensaal. Als „Börse, Kaffeehaus und Weinstube“, „Börsenhalle“ oder „Restaurant zur Börse“ ist die Gaststätte dadurch bekannt geworden.

Speiseraum Börse
Speiseraum Börse

"Das stattliche, drei Geschoß hohe und sechs Achsen breite Haus ("Börse") schließt mit Doppelgiebel ab. Nur die Dreieckverdachungen der Stirnbekrönungen und die schlichte, stumpf auf das Schultergesims gesetzte Abdeckung sind aus Sandstein. Auf jeden Schmuck ist verzichtet. An den Türpfosten steht unten die Jahreszahl 1826. Das Haus selbst ist jedoch älter als die damals vorgesetzte Front. Aus der ersten Erbauungszeit stammt ein wieder eingemauerter Giebelstein mit der Jahreszahl 1605. In dem Hause wohnte, wie eine neuerdings eingesetzte Inschrifttafel kundgibt, vom 13.-15. Juni 1755 [sic] der König Friedrich der Große."[6]

Durch Ankauf des Eckhauses Am Delft 30 wollten die Eigentümer, Brauerei Hesse in Weener, 1917 die Häuser der Börse zusammen mit dem Nachbarhaus zu einem Drei-Giebel-Haus mit vorgesetzter Fassade im "Renaissance-Charakter" umbauen. Der "Provizial-Conservator" aus Hannover, Heinrich Siebern, äußerte seine Bedenken und bemängelte den Stilmix der Fassade, was zur Ablehnung des Projekts führte (siehe Bild unten: Nach einer Aufrisszeichnung als Blaupause vom 13.05.1917).[7]

Eigentümer und Bewohner

Kopfschatzung 1757[8]

  • Otto Storck, Weinhändler; Frau und 4 Kinder; 1 Junge als Knecht

Brandversicherungskataster

Datum Eigentümer Nachfolger Art Bd./Bild
1754 Otto Rabe Storch Ein Wohnhaus [9]
1808-1819 Joh. Hinr. Roslaub Kinder Huis A38 [10]
1819-1830 Joh. Hinr. Roslaub Kinder 1825: Gerrid de Ruiter Haus A49
Ab 1825 wurden die Häuser Comp. 3, Nr. 2 u. 3 als ein Haus geführt.
1830-1841 Gerrit de Ruiter Haus A49
1841-1852 Gerrit de Ruiter Haus A47
1852-1863 Gerrit de Ruiter Haus, Angebäude A45
1863-1872 Gerrit de Ruyter Haus, Angebäude A45
1872-1877 G. de Ruyter Südliches Haus
Nördliches Haus
Angebäude
Küchengebäude
A8
1877-1882 G. de Ruyter Südl. Haus
Nördl. Haus
Küchengebäude
A8
1882-1887 G. de Ruyter Südl. Haus
Nördl. Haus
Küchengebäude
A8
1887-1892 G. de Ruyter Südl. Haus
Nördl. Haus
Küchengebäude
A8
1890-1895 G. de Ruyter Südl. Haus
Nördl. Haus
Küchengebäude
A8
1895-1900 G. de Ruyter Südl. Haus
Nördl. Haus
Küchengebäude
A8
1900-1905 G. de Ruyter 1903: Johann und Anton de Ruyter
Restaurant "Börsenhalle"
1904: Philipp Joseph Janssen
Südl. Wohnhaus
Nördl. Wohnhaus
Zwischenbau
Küchengebäudeanbau
A22
1905-1910 Philipp Joseph Janssen
Restaurant "Börsenhalle"
Südl. Wohnhaus
Nördl. Wohnhaus
Zwischenbau
Küchengebäudeanbau
A82
1910-1915 Philipp Joseph Janssen
Restaurant "Die Börse"
1914: Johann van Hove Südl. Wohnhaus
Nördl. Wohnhaus
Zwischenbau
Küchengebäudeanbau
A95
1914-1920 Johann van Hove 1916: Brauerei Ludw. K. Hesse, Weener südl. Wohnhaus
nördl. Wohnhaus
Zwischenbau
Küchengebäudeanbau
A
1918-1936 Brauerei Ludwig K. Hesse Weener
Restaurant "Die Börse"
südl. Wohnhaus
nördl. Wohnhaus
Zwischenbau
Küchengebäudeanbau
A197

Einwohnerverzeichnisse

  • Adress-Kalender 1864[11]
    • Phil. J. Janssen (Börsenhalle)
  • Adressbuch 1866[11]
    • Janssen, Philipp J., Schenkw.
  • Adressbuch 1877[12]
    • Janssen, Philipp J., Schenkwirth
  • Adressbuch 1880[11]
    • Janssen, Philipp J., Schenkwirth
  • Adressbuch 1897[11]
    • Janssen, Philipp J., Schenkwirth
    • Willms, Wilhelm, Kellner
  • Adressbuch 1906/07[11]
    • Janssen, Philipp Jos., Börsenwirt
    • Müller, Fr., Handlungsgehülfe
  • Adressbuch 1911[11]
    • Janssen, Phil., Börsenwirt, Tel. 326
    • Evensen, Christian, Handlungsgeh.
  • Adressbuch 1937[11]
    • Ehrhardt, Willi, Gastw., "Börse"
    • Kamrad, Elise, Köchin
    • Davids, Elbine, Hausmädchen
    • Jüttner, Wilhelmine, Wwe.

Siehe auch

Galerie


  1. Klaverblad (nld.) = Kleeblatt.
  2. Toelast (ndl.) beschreibt ein sehr großes Fass.
  3. Wöchentliche Ostfriesische Anzeigen und Nachrichten (1747-1808), 1786 Nr. 38, S. 735.
  4. Wöchentliche Ostfriesische Anzeigen und Nachrichten (1747-1808), 1803 Nr. 52, S. 1550.
  5. SIEBERN, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 6., Regierungsbezirk Aurich: H. 1 u. 2, Stadt Emden, Hannover 1927, S. 242.
  6. SIEBERN, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 6., Regierungsbezirk Aurich: H. 1 u. 2, Stadt Emden, Hannover 1927, S. 242.
  7. StadtA EMD BoA 1687.
  8. HINRICHS, Wiard (2010): Kopfschatzung 1757, Aurich, Bd. 1.
  9. Catastrum 1754 der Feuer-Societät die Stadt Embden betreffend, StadtA EMD II. 1366.
  10. Brandversicherungskataster der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse von 1768–1937.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 11,4 11,5 11,6 StadtA EMD, Handapparat.
  12. FÜRBRINGER, Leo (1877): Adreß- und Stadt-Handbuch der Stadt Emden 1877-1878, Emden, S. 46-76.