Sturmfluten
Aus Emden-Historisch
Die Nordseeküste wird seit jeher immer wieder von Sturmfluten umgestaltet. Mit dem Bau von Deichen versuchte man mehr oder weniger erfolgreich die mitunter gewaltigen Zerstörungen zu verhindern.
Bei der Sturmflut 1277 brach der Dollart ein und erreichte seine größte Ausdehnung nach der Cosmas- und Damina-Flut am 26.09.1509. Ebenso wurde bei dieser Sturmflut Nesserland zur Insel und die Ems suchte sich ein neues Bett.
"Jede Schutzwehr entbehrend lag die Stadt [Emden] vollends offen; sie war wirklich ausgedeicht, und hatte in herbstlichen Sturmfluten so immer die fürchterlichsten Gefahren zu bestehen. Bei nur einigermassen hohen Fluthen wurde sie schon gänzlich inundirt, und nur eine kleine Gegend in der Altstadt ... blieb verschont."[1]
Unvollständige Liste der Sturmfluten

- 26.09.1509 Endgültige Verlagerung des Emslaufs, Emden liegt nicht mehr direkt an der Ems.
- 01.11.1570 Allerheiligenflut, über 100.000 Menschen am Ärmelkanal, von Frankreich bis Dänemark verloren ihr Leben.[2] (siehe Bild Hochwassermarken)
- 26.02.1625 Schwere Schäden an der Ostfriesischen Küste.
- 11.10.1634 Zweite Mandränke.
- 22.02.1651 Petri-Flut, das Wasser spülte Leichen aus den Gräbern der Großen Kirche.[3]
- 12.11.1686 Schwere Schäden an der Ostfriesischen Küste.
- 24.12.1717 Weihnachtsflut, schlimmste bis dahin bekannten Überflutungen. Die Deiche wurden vernichtet, das Wasser drang weit ins Land hinein und machte die Ackerböden für viele Jahre unbrauchbar. Über 10.000 Menschen ertranken in dieser Nacht an den Küsten der Nordsee, ihr Hab und Gut schwamm davon, mehrere zehntausend Tiere wurden Opfer der See. Eine große Not brach für die Menschen an.
- 25./26.02.1718 Wieder drang das Meer ungehindert ins Landesinnere, die Deiche waren noch nicht wieder instand gesetzt.
- 31.12.1720 Die Deiche, noch immer nicht vollständig repariert, boten keinen Schutz, wurden wieder zerstört. Wasserstände höher als 1717.
- 21.11.1776 Frühmorgens schob ein schwerer Sturm aus Nordwest das Wasser der Nordsee mit großer Geschwindigkeit nach Emden, so dass die Flut fast 25 cm höher als das schlimme Hochwasser von 1717 stieg. Dothias Wiarda als Zeitzeuge beschrieb Details zu dieser Jahrhundertflut.
- 03./04.02.1825 Die durch eine Springflut verstärkte Sturmflut, sie wird auch als verheerendste Naturkatastrophe des 19. Jahrhunderts an der Nordseeküste bezeichnet, erreichte eine Höhe von 4,66 m über NHN.[4] Ganz Emden war überflutet, nur die Häuser auf der Warf in der Altstadt blieben verschont. Wassermassen tobten durch die Stadt, rissen tiefe Löcher in Straßen und Wege, spülte Häuser bis auf die Grundmauern frei. Der eindrückliche Bericht eines Zeitzeugen ist online verfügbar.
- 21.10.1845 Schwere Sturmflut (siehe Bild Hochwassermarken)
- 30./31.01.1877 Wasserstand vor der Nesserlander Schleuse: 3,80 Meter über der normalen Fluthöhe. Die Stadt Emden hat es der Nesserlander Schleuse und dem starken neuen Kaiser Wilhelms-Polderdeich zu verdanken, daß ihr nicht ein ähnliches Schicksal bereitet worden ist, wie durch die Sturmflut des Jahres 1825. [...] Die Stadt hat sich um so mehr als vom Glück begünstigt zu erachten, als die Nesserlander Schleuse sich hielt, trotzdem daß in Folge einer grenzenlosen Nachlässigkeit nur ein Paar ihrer Thüren, die Sturmthüren eingesetzt, dagegen die Fluthüren verschlammt und ungangbar waren.[5]
- 12./13.03.1906 Höchste bis dahin bekannte Sturmflut. Die Deiche hielten!
Text ergänzt, Stand 16.11.2025.
Siehe auch
- Die großen Sturmfluten (deichrichter.de)
-
Hochwassermarken im Durchgang vom Rathaus
- ↑ CRAMER, Alb. D. (1837): Beilage zum hydrographischen Grundriss der Stadt Emden in Sturmfluten.
- ↑ WIARDA, Tileman Dothias (1791): Ostfriesische Geschichte, Aurich, Bd. 3, S. 108.
- ↑ Deichrichter online, Sturmfluttabelle
- ↑ Meier, Dirk (2025): Vor 200 Jahren: Die Halligflut von 1825 in Zeitdokumenten. In: Die Küste, 95 - Online First. https://doi.org/10.18171/1.095101.
- ↑ EILKER, Dr. Georg (1877): Die Nordsee-Sturmflut vom 30./31. Januar 1877, Haynel Emden (Nachdruck 1985).
