Neutorstraße 26
Aus Emden-Historisch
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| Basisdaten |
|---|
| Mittelfaldern |
| Kluft 3 |
| Compagnie 13, Nr. 2 |
| Wyk 4 |
| Katasterkarte 1875 |
| Flurkarte 24 |
| Parzelle 334 |
| Grundfläche 327 m² (zusammen mit Nr. 25) |
Anmerkung
- Hausname: De goude Poort[1]
- Ein Erzählrelief mit der Jahreszahl 1572 (Beschreibung siehe unten) war an der Hofseite eingemauert.[2]
- In diesem Haus befand sich die Münzschmiede des Münzmeister Dietrich Iden, genannt Kruitkremer, das er am 6. Februar 1579 an seinen Sohn Johann Iden, ebenfalls Münzmeister, verkaufte.[3]
Illustrationen
-
Münzmeisterstein
(Beschreibung siehe unten) -
Werbung 1877
Eigentümer und Bewohner
[] | []
| Kopfschatzung 1757[4] |
|---|
|
| Brandversicherungskataster 1754[5], 1768-1936[6] | ||||
|---|---|---|---|---|
| Datum | Eigentümer | Nachfolger | Art | Bd./Bild |
| 1754 | Willem van Olst | Ein Haus und Packhaus | ||
| 1808-1819 | Peter van Olst | Huis, het Packhuis | B5 | |
| 1819-1830 | Peter van Olst | Haus, Packhaus | B7 | |
| 1830-1841 | Peter van Olst | Wessel Brons | Haus, Hinterhaus, Packhaus | B8 |
| 1841-1852 | Wessel Brons | Haus, Hinterhaus | B8 | |
| 1852-1863 | Wessel Brons | Haus, Hinterhaus | B8 | |
| 1863-1872 | Wessel Brons | Haus, Hinterhaus | B8 | |
| 1872-1877 | Wessel Brons | Haus, Hinterhaus | B49 | |
| 1877-1882 | Wessel Brons | Haus, Hinterhaus | B49 | |
| 1882-1887 | Wessel Brons | Haus, Hinterhaus | B50 | |
| 1887-1892 | Wessel Brons Erben | Haus und Hinterhaus | B101 | |
| 1890-1895 | Wessel Brons Erben | Haus und Hinterhaus | B92 | |
| 1895-1900 | Wessel Brons Erben | Haus und Hinterhaus | B124 | |
| 1900-1905 | Wessel Brons Erben | Wohnhaus und Hinterhaus | C18 | |
| 1905-1936 | zusammen mit Nr. 25 (siehe dort) | |||
| Adress- und Telefonbücher 1864-1941[7] | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Bewohner und Eigentümer (E) | |||
| 1864 | W. Brons, Eisenhändler | |||
| 1866 | Wessel Brons, Grossist; C. G. Janssen, Handlungsgehilfe | |||
| 1867 | Wessel Brons, Grossist; C. G. Janssen, Handlungsgehilfe | |||
| 1877/78 | Firma W. Brons & Sohn, Eisen-, Steinkohlen, Maschinen-, Saiten- und Zündwarenhandlung (Inhaber Y. B. Brons, Westerbutvenne 3); Wwe. Wessel Brons, Partikulierin | |||
| 1880/81 | Wwe. Wessel Brons, Partikulierin; P. Meyer, Handlungsgehilfe; Amalie Fritzen | |||
| 1887 | F. C. C. Strauß, Telegraphenstationsvorsteher; Johannes Mustert jr., Kaufmann (E: Wwe. W. Brons Erben) | |||
| 1890 | Johannes Mustert jr., Kaufmann (E: Y. Brons) | |||
| 1913/14 | Firma M. Schulmann, Herren- und Knaben-Garderobengeschäft, Maßschneiderei für Herren und Damen (E: J. Mustert Erben) | |||
| 1925 | Firma Max Steinberg, Damengarderobe (E) | |||
| 1927 | Firma Max Steinberg, Damengarderobe | |||
| 1934 | Tengelmann‘s Kaffeegeschäft, Kolonialwaren, Konfitüren; Dr. jur. Ernst Ikenberg, Rechtsbeistand; Herbert Dittmer, Kraftwagenführer | |||
| 1937 | E. Tengelmann Kaffeegeschäft; Heinrich Reinecke, Optiker; Karl Ledwinka, Pensionär; Hugo Eistrup, Optikergehilfe; Herbert Dittmer, Werkzeugmacher | |||
| 1941 | Tengelmann, Kaffeegeschäft; H. Reinecke, Optiker, Spezialgeschäft für Optik und Feinmechanik [8] | |||
Miszellen
- Giebelstein, früher an der Hofseite des Hauses eingemauert, jetzt an der Hinterfront des Hauses Zwischen beiden Gleichen [sic!], I. Teil, Nr. 8.
Das sorgfältig ausgehauene Relief stellt einen Münzmeister mit seinen drei Gesellen bei der Arbeit des Prägens dar; in der Mitte ein Lehrling, der eine Weinkanne und einen Krug herbeiträgt: darüber ein Schildchen mit Hausmarke und den Buchstaben I. K. (= Joh. Krutkremer) sowie dahinter durchlaufend ein Spruchband mit der Jahreszahl 1572.[9] - Der Münzmeisterstein wird wie folgt erklärt:
Die Darstellung zeigt oben einen Schild mit einem Handwerkerzeichen ("Meisterzinken") zwischen den Buchstaben I—K, die sich zwanglos in Iden—Kruitkremer auflösen lassen und sich auf Dietrich Iden, genannt Kruitkremer, beziehen, der von 1563 bis zunächst 1574 gräflicher Münzmeister war. Hinter dem Schilde ist ein Schriftband angebracht, das die Jahreszahl 1572 trägt. Die Tätigkeit der unter dem Schriftband dargestellten fünf Personen läßt, im ganzen gesehen, sofort erkennen, daß wir eine Münzerwerkstatt vor uns haben, wenn auch im einzelnen manches dem modernen Beschauer dunkel bleiben mag, da verschiedene der im Bilde festgehaltenen Vorgänge heute nicht mehr üblich sind und es sich um ein Relief handelt, der Künstler also gezwungen war, alle Handlungen in eine Ebene zu verlegen.
Die drei sitzenden und barhäuptigen Personen stellen Münzergesellen ("Ohme") vor; ihre Kleidung ist, wie auch diejenige der stehenden Person ganz rechts, modisch im Sinne der Zeit. Der links auf einem Hocker sitzende Ohm ist mit dem eigentlichen Münzschlag beschäftigt. In den schweren, mit Bandeisen gesicherten Holzklotz vor ihm ist amboßmäßig der Unterstempel versenkt; mit der Linken hält er den Oberstempel. Um dem zwischen beiden liegenden Metallplättchen ("Schrötling") die Präge zu verleihen, holt er mit dem Hammer in der Rechten aus. Vor ihm auf dem Holzklotz liegt das "Vassholz", ein gekerbtes Brett zur Aufnahme der entsprechend vorgerichteten Schrötlinge. Der zweite Ohm klopft die gegossenen Münzmetallplatten ("Zaine") auf die gewünschte Schrötlingsdicke, während der dritte vor dem Gießofen sitzt, mit der Gießkelle in der Linken und dem Schaber in der Rechten, um beim Schöpfen die Oxidationshaut von der flüssigen Metalloberfläche zu beseitigen. Ganz rechts, mit einem Hut auf dem Kopfe steht der Münzmeister selbst; er stückelt mit der "Benehmschere", deren einer Schenkel in einen Holzklotz eingelassen ist, die bearbeiteten Zaine in Schrötlinge für den Prägevorgang. In der Jünglingsfigur in der Mitte des Reliefs haben wir den Münzerlehrling vor uns. Nach der Sitte des 16. bis 18. Jahrhunderts trägt er ein buntes, mit Glöckchen besetztes Gewand, an dem eine Eselsohren-Kapuze befestigt ist. Auf unserer Darstellung sind an den unteren Gewandzipfeln zwei Glöckchen deutlich erkennbar. Es handelt sich also um eine Art Narrenkleidung. Eine wichtige Tätigkeit der Lehrlinge bestand darin, Münzmeister und Ohme mit dem nötigen Wein zu versorgen; so hält auch unser Lehrling eine Weinkanne in der Linken und einen Pokal in der Rechten. Der Giebelstein bietet demgemäß ein in sich geschlossenes Bild der wesentlichen Tätigkeiten in einer Münzschmiede des 16. Jahrhunderts.[10]
Siehe auch
- ↑ JANßEN, Dietrich (2023): Emder Straßennamen, Gänge und Hausmarken über fünf Jahrhunderte, Emden, S. 202.
- ↑ SIEBERN, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 6., Regierungsbezirk Aurich: H. 1 u. 2, Stadt Emden, Hannover 1927, S. 208.
- ↑ Kontrakten-Protokolle Emden, Bd. 15, S. 466 (zit. nach: KENNEPOHL, Karl (1956): Der Emder Münzmeisterstein. In: Ostfriesland, Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, Heft 3 1956, S. 1-5.
- ↑ HINRICHS, Wiard (2010): Kopfschatzung 1757, Bd. 1, Aurich.
- ↑ Catastrum 1754 der Feuer-Societät die Stadt Embden betreffend, StadtA EMD II. 1366.
- ↑ Brandversicherungskataster der Ostfriesischen Landschaftlichen Brandkasse von 1768–1937.
- ↑ FELDMANN, Thomas/HARMS, Thorsten (†): Emder Häuserbuch, unveröffentlicht.
- ↑ Telefonbuch der Stadt Emden, 1941 (zit. nach: FELDMANN/HARMS: Emder Häuserbuch).
- ↑ SIEBERN, Heinrich (Bearb.): Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover, 6., Regierungsbezirk Aurich: H. 1 u. 2, Stadt Emden, Hannover 1927, S. 208.
- ↑ KENNEPOHL, Karl (1956): Der Emder Münzmeisterstein. In: Ostfriesland, Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, Heft 3 1956, S. 2-3.

